14. Juni 2026
Von letzten Experimenten zur Konzeptualisierung
Stimmung: Gelungene letzte Experimente - ein kleiner großer Meilenstein.
Heute geht’s um die Gedanken die ich mir mache, bevor ich die ersten Zeilen der Doktorarbeit zu Papier bringe, um die Frage, mit welchem Teilabschnitt der Arbeit man am besten anfängt und um das neue Manuskript, das mir jetzt in die Quere kommt.
Willkommen zurück zum Blog nach einer aufregenden und sehr wichtigen Woche im Labor für mich. Auch wenn der Schreibprozess noch nicht unmittelbar bevorsteht, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ich zwangsläufig darüber nachdenken muss, wie genau ich meine Arbeit strukturiere, welche Experimente der letzten 4 Jahre werden Teil davon und welche vielleicht nicht. Dazu gehört auch die Frage, mit welchem Teil der Arbeit man am besten anfängt. Dazu habe ich mal in die Prüfungsordnung unseres Fachbereichs reingeschaut. Die Arbeit wird im wesentlichen so aufgebaut:
- Publikationsliste
- Zusammenfassung
- Abstract
- Einleitung
- Material
- Methoden
- Ergebnisse
- Diskussion
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
- Danksagung
- Eidesstattliche Erklärung
Mit welchem Teil fängt man normalerweise als erstes an? Im Prinzip kann man häufig den einfachsten Hauptteil schon mal schnell runterschreiben, nämlich den Material&Methoden-Teil. Dieser umfasst etwa 30-40 Seiten und ändert sich inhaltlich nur noch wenig, sobald man einmal die letzten experimentellen Versuche angefangen hat. Danach kommt der aufwendigste und gleichzeitig konkreteste Teil der Arbeit: Die Ergebnisse. Aufwendig deshalb, weil man alle Ergebnisse erstmal auswerten und in Abbildungen anständig darstellen muss, diese dann schriftlich genaustens beschreiben muss und die wichtigsten Aspekte der Arbeit in etwa 25 bis 35 Seiten in den Fokus stellen muss. Gleichzeitig ist dies schnell gemacht, sobald die Ergebnisse alle sauber und konkret vorliegen, im Grund ist es ja ein gut gefilterter und strukturierter Recap der letzten 4 Jahre.
Und zu guter Letzt, wenn man beim Schreiben der Ergebnisse festgestellt hat, worauf man in seiner Doktorarbeit eigentlich hinaus möchte, schreibt man quasi noch die Einleitung und Diskussion „drumherum“, was im Prinzip „nur noch“ Literaturrecherche bedeutet. Insgesamt dann noch formatiert, korrigiert, mit diversen Verzeichnissen versehen sollen das am Ende so ca. 150 Seiten werden.
Warum habe ich also bisher noch nicht mit dem Material&Methode—Teil angefangen? Dafür gibts in meinem Fall 2 Gründe:
- Ich musste bisher noch ein paar Experimente fertigbringen, genauer gesagt, die eigentlich wichtigsten Tierversuche meines ganzen PhDs. Zwar stand der Inhalt der Arbeit vorher ja schon zu 85 Prozent und ein großer Teil davon ist auch schon publiziert, was das Schreiben einfacher macht, weil ich vieles ja schon mal in einer anderen Form verschriftlicht habe. Aber ich hatte halt noch nicht so wirklich den sogenannten Headspace dazu, weil die Tierversuche immer sehr viel Vor- und Nachbereitung brauchen, emotional anstrengender sind, als Zellkultur-Versuche und der weitere Verlauf meiner Doktorarbeit recht stark von eben diesen Ergebnissen abhängig ist.
- Es gibt neben der Möglichkeit, meine Arbeit als Monographie zu schreiben, auch die Variante, die Arbeit als publikationsbasierte (kumulative) Arbeit zu schreiben. Der zweite Fall bedeutet, dass bestimmte (in unserem Fachbereich recht strenge) Voraussetzungen bezüglich bereits publizierter Daten erfüllt sein müssen, dies gleichzeitig aber auch den Schreibprozess der Diss vereinfacht, weil ich mir für diese Art von Dissertation den Ergebnis- sowie den Material&Methoden-Teil komplett sparen könnte, da dieser in der Arbeit durch meine Publikationen ersetzt wird. Und um diese Voraussetzungen zu erfüllen, fehlt mir aktuell die 3. und letzte Erstautorenschaft, die gerade noch in the making ist.
Diese Woche ist nun besonders relevant gewesen, weil ich ganz frisch die ersten Ergebnisse meines aktuellsten Tierversuches auswerten konnte und alles, was ich bisher sehe, ganz vielversprechend aussieht! Mir sind also die Steine, die nun seit Ostern auf meinem Herzen lagen und wie kleine Nierensteine immer größer und größer geworden sind, endlich runtergefallen und der kleine innere Jubel hat sich ziemlich bald auch auf alle anderen in den Tierversuch involvierten Personen übertragen, inklusive meinen Arbeitsgruppenleiter und Betreuer meiner Arbeit (im Folgenden Chef genannt).
Für Chef (aber auch für mich um ehrlich zu sein) konnte es jetzt nicht schnell genug gehen und ohne Pause ging es deshalb diese Woche in die finalen Auswertungsversuche und eben auch an die Konzeptualisierung der Arbeit. Die Frage, die es jetzt aber spätestens zu klären galt, war, ob es nun eine Monographie oder eine kumulative Arbeit werden soll. Wir haben beide Möglichkeiten diskutiert und uns entschieden, dass wir das Ganze gern kumulativ versuchen möchten. Dies bedeutet aber, dass die frisch gebackenen Ergebnisse erstmal in einem Manuskript verschriftlicht und veröffentlicht werden sollen und ich erst danach tatsächlich die Dissertation schreiben kann. Wie oben erklärt, bedeutet das aber auch, dass die Teile der Arbeit, die ich als allererstes schreiben wollte (Ergebnisse und Material&Methoden) für die kumulative Arbeit gar nicht notwendig werden und daher erstmal keine Priorität mehr haben.
Das bedeutet also für die nächste Woche: Ergebnisse der Tierversuche fertig auswerten und sauber darstellen. Eine möglichst genaue Gliederung des Manuskripts vorbereiten (wie viele Abbildungen soll die Publikation haben, welche Daten kommen in welche Abbildung, wie strukturiere ich die Übergänge und die Diskussion des Manuskripts). Am Ende der Woche pitche ich diese Gliederung meinem Chef. Tja und wie das ankommt, erzähle ich nächste Woche. 

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